Grenzgänge
Seit vielen Jahren hat Harald Hoffmann de Vere sein Atelier in Berlin-Kreuzberg. Durch die großen Fenster seines Studios in einer Fabriketage schaut man auf die träge dahinfließende Spree. Eine urbane Idylle - und eine Aussicht mit Geschichte... Was früher als "tiefstes Kreuzberg" ein Ort hart an der Grenze war, liegt heute mitten im Geschehen... Seit dem Mauerfall hat Harald Hoffmann de Vere die Wandlung der einstigen Inselstadt in die neue Hauptstadt künstlerisch begleitet. Mit beharrlicher Kontinuität zog der Maler in den vergangenen Jahren wieder an die historischen Orte... Harald Hoffmann de Vere ist es nicht darum zu tun, die urbanen Veränderungen mit dem Auge eines gewissenhaften Dokumentaristen festzuhalten, er will kein Chronist sein, der die Dinge fotografisch wiedergibt, sondern das Geschehen ist ihm Anlaß, eigene Bildwelten zu schaffen: Das Ausgangsmotiv bleibt zwar erkennbar, doch löst sich der Maler vom Augenschein, um das reale Vorbild im doppelten Sinne des Wortes künstlerisch zu verdichten... Auf diese Weise verwandelt er die allseits bekannten Topographien zu einzigartigen Orten, die für jeden Betrachter individuell erlebbar werden.

Anna C. Krausse



Rekonstruierte Baracke und eine gläserne Kuppel
Harald Hoffmann de Veres Arbeiten handeln von Prozessen, in diesem Falle von Bauprozessen. Er geht auf Baustellen, zum Potsdamer Platz, zum Lehrter Bahnhof, zum Reichstagsgebäude, und zeigt uns, in zum Teil heiteren Farben, einen Prozeß. Er hält einen Zustand fest, allerdings anders als ein Fotograf. Wir haben den Eindruck, daß wir diesen Zustand beeinflussen können; auf jeden Fall komplettieren wir das Bild, beenden es im Inneren.

Michael S. Cullen